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Pinquicula vulgaris
 

Mit Nessi und Harry Potter auf Fleischi-Suche 

Nebel zieht um die Schlösser und es ist nasskalt in Schottland. So stellt man sich auf eine Schottlandreise vor oder kennt es aus einen der Filme wie Highlander oder Harry Potter, die in Schottland gedreht wurden. Aber es kam anders. Anfang Mai letzten Jahres flogen wir nach Schottland. In Edinburgh erwartete uns strahlender Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen um die 20 C. Für die Schotten ein Grund, die Ankunft des Sommers zu feiern. In den Nachrichten wurden volle Strände prophezeit. Kurze Hosen und T-Shirts waren auch in den kühleren Abendstunden bei den Einwohnern angesagt.  

Wir verbrachten die ersten drei Tage in Edinburgh, um die Stadt anzuschauen. Beeindruckend, z.B. die kleinen Gässchen, die so genannten „Closes“,   die zwischen den Häusern früher durchführten und auch heute begehbar sind. Interessant auch eine Führung durch den Untergrund Edinburghs, um einen Blick in vergangene Zeiten zu werfen. Das Rathaus wurde seinerzeit auf den Fundamenten der Häusern und Straßen gebaut. Hoch über die Stadt thront die Burg.  

So hatten wir auch die Möglichkeit uns langsam an den Linksverkehr zu gewöhnen, bevor wir unseren Mietwagen am Flughafen abholten. Nach drei Tagen ging es los mit unserer Rundreise. Die erste Strecke, eigentlich mit 2 Stunden Fahrt keine lange Fahrt, erforderte höchste Konzendration. Für fast jeden Tag unserer Etappe hatten wir für den Abend ein B &B (Bed and Breakfirst) vorgebucht. B&B’s sind in der Regel kleine familiäre Unterkünfte mit einzelnen Zimmern. Die Schotten sind recht gastfreundlich.  

Die Reise führte uns hinaus über die großen Brücken von Edinburgh  nördlich bis ins Golferparadies St. Andrews. Von dort aus fuhren wir weiter in den Norden, vorbei an Sehenswürdigkeiten, wie z. B. das nebelverhangene Dunnottar Castle. Das spektakuläre Fotomotiv lag tatsächlich an diesem Tag im Nebel. Schließlich kamen wir in das Tal des River Dee. Die Gegend wird dort auch „Royal Deeside“ genannt, da die Queen jedes Jahr ihren königlichen Sommerurlaub auf Schloss Balmoral verbringt.  

Weiter ging es zum „Whisky Trail“. Eine Besichtigung des Whiskydistellerie Glen Fiddich mit einer kleinen Probe haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. 

Eine weitere Übernachtung legten wir in Braemar ein. Ein kleiner verschlafener Ort am Rande der Highlands. Nur einmal im Jahr erwacht dort das Leben. Hier finden die berühmten Highland Games statt. Dazu wird traditionell auch königlicher Besuch erwartet.  

Wer durch Schottland fährt genießt den Blick auf schöne Landschaften und Seen. Ein Halt an einen der vielen Castle lohnt sich. Als Tourist lernt man aber auch einiges über die schottische Geschichte und über die meist erfolglosen Schlachten mit den Engländern. Die Schotten sind sehr traditionsbewusst. So führte uns die Tour auch vorbei an Culloden Battlefield,  dem traurigen Schauplatz der letzten großen Schlacht auf britischem Boden und der endgültigen Niederlage Bonnie Prince Charlies und der Sache der Jacobiten (1746).  Weiter ging es nach Inverness.  

Karge, ursprüngliche Landschaften erwarteten uns in den Highlands. Hier muss auf den schmalen Straßen schon mal auch mit einer Schafherde gerechnet werden. Wir fuhren immer weiter in Nordwesten. Am Loch Broom angekommen, sind es nur noch wenige Meilen bis zu unserem Tagesziel, dem Fischerstädtchen Ullapool. Hier sollte die Fleischi-Suche beginnen.  

Das kleine 800 Einwohner zählende, sympathische  Städtchen Ullapool, mit seinen schmucken weißen Häuser entlang des Loch Broom wurde 1788 von der schottischen Fischereivereinigung gegründet und ist eine der wichtigsten Fischereizentren des hohen Norden. Während der Saison sind große Fisch-Trawler ebenso im Hafen anzutreffen, wie schicke Segeljachten. Ullapool ist außerdem ein wichtiger Fährhafen für die äußeren Hybriden.  

Im Vorfeld versuchte ich mich schon etwas schlau zu machen, wo denn die Pflänzchen wachsen sollten. In einem Bericht von Martin Reiner, auf den mich Carsten aufmerksam machte war der Ort Ulla Pool erwähnt. Lindsay Duncan von den Countryside Rangers (Service Point  Ulla Pool) gab mir schließlich die entscheidenden Tipps für unsere Suche, wobei sie doch etwas überrascht war, da es sich in dieser Gegend, besonders beim Fettkraut, um eher „gewöhnliche“ Pflanzen handelte.  

Von Ulla Pool fuhren wir auf der A835 Richtung Cul Mor. An einem Wanderparkplatz stellten wir unser Auto ab und folgten zu Fuß dem Weg auf den Berg. Meine Frau erblickte am Beginn des Weges das erste Fettkraut. Schnell stellten wir fest, dass die Pflanzen eigentlich überall wuchsen. Sei es an kleinen Bachläufen, an Felswänden oder einfach mitten auf dem trockenen und steinigen Weg. Sie waren hier tatsächlich ein „gewöhnlicher“ Bestandteil der Natur. Manche Pflanzen bekamen gerade ihre ersten Blüten. Zwei Wochen zuvor muss es wohl noch ziemlich kalt in den Bergen gewesen sein. Entsprechend klein waren auch die Pflänzchen. Oben auf dem Berg angekommen hatten wir einen herrlichen Überblick über die Landschaft und ihren Seen. Leider war auf unserem Weg kein Sonnentau zu finden.  

Am nächsten Tag gingen nahmen wir uns einen kleinen Rundweg von Ulla Pool aus vor (Ullapool Hill & Paths). Der Weg führte direkt aus dem Ort auf einen nahe gelegenen Berg. Von hier aus hatten wir einen tollen Überblick über das Städtchen und seinem Hafen. Am Wegesrand fanden wir schließlich auch Sonnentaus. Meist an feuchten Stellen, wie an kleinen Bachläufen waren die Pflanzen zu finden. Mit zahlreichen Fotos komplettierten wir das Urlaubserlebnis.   

Von Ullapool aus ging es zunächst weiter südwestlich zu Isle of Sky. Vom kalten Inselklima empfangen legten wir auch dort eine zweitäge Pause ein, bevor es zurück Richtung Süden, vorbei an Loch Ness ging (Nessi haben wir leider nicht gesehen). In Fort William ließen wir uns eine Fahrt im legendären Hogwarts-Express, bekannt aus Harry Potter, nicht entgehen.  

Entlang des Loch Linnhe, gelangten wir über Onich nach Ballachulish und von dort aus ins Glencoe, das „Tal der Tränen“. Weiter durch das einsame Tal führt ader Weg ins Rannoch Moor. So gelangten wir schließlich zurück an unseren Ausgangspunkt nach Edinburgh. Hier hieß Abschied nehmen von den Highlands, den Castles, den Seen und einer tollen Landschaft in Schottlang.  Mit vielen Eindrücken und Bildern im Gepäck ging es zurück nach Deutschland.  

Wie wir später erfahren haben, waren dies die zwei schönsten Maiwochen am Stück seit langen in Schottland gewesen. Ein unvergesslicher Urlaub. Mit vielen Eindrücken kehrten wir wieder zurück nach Deutschland. Dort hatte das Pfingstwetter schon Temperaturen bis zu 30 C beschert. Für die Schotten undenkbar im Mai.  

Quelle: ADAC Schottland Reiseführer. Mit freundlicher Unterstützung Katja Bader  und Lindsay Duncan von den Countryside Rangers. Danke auch an Carsten Paul für den Tipp mit dem Bericht von Martin Rainer

Artikel erschienen bei der GFP  www.carnivoren.org


Drosera rotundifolia
 

Ullapool